Wärmepumpe und Photovoltaik ergänzen sich perfekt: Die PV-Anlage produziert den Strom, den die Wärmepumpe zum Heizen braucht. In der Theorie klingt das nach energetischer Unabhängigkeit — aber wie sieht es in der Praxis aus? In diesem Ratgeber zeigen wir, wie viel Eigenverbrauch realistisch ist, ob sich ein Speicher lohnt und wie Sie die Kombination wirtschaftlich optimal planen.
Warum PV und Wärmepumpe zusammengehören
Eine Wärmepumpe wandelt elektrische Energie in Wärme um — mit einem Faktor von 3 bis 5 (der sogenannten Jahresarbeitszahl). Das heißt: Aus 1 kWh Strom werden 3–5 kWh Wärme. Wenn dieser Strom von der eigenen PV-Anlage kommt, heizen Sie praktisch kostenlos — mit Solarenergie, die vom eigenen Dach kommt.
Die wirtschaftlichen Vorteile sind erheblich:
- Eigenverbrauch statt Einspeisevergütung: Selbst genutzter Solarstrom ist ca. 30 ct/kWh wert (vermiedener Netzbezug), eingespeister Strom nur ca. 8 ct/kWh. Jede kWh, die Sie selbst nutzen, ist also 3,5-mal so viel wert.
- Höherer Eigenverbrauchsanteil: Ohne Wärmepumpe liegt der typische Eigenverbrauch einer PV-Anlage bei 25–35 %. Mit Wärmepumpe steigt er auf 40–60 %, da die Wärmepumpe als großer Stromverbraucher den Überschussstrom direkt nutzen kann.
- Unabhängigkeit von Energiepreisen: Je mehr Strom Sie selbst erzeugen, desto weniger trifft Sie der nächste Preisanstieg bei Strom oder Gas.
Die richtige Dimensionierung: Wie groß muss die PV-Anlage sein?
Die optimale Anlagengröße hängt von Ihrem Gesamtstromverbrauch ab. Ein Einfamilienhaus mit Wärmepumpe hat typischerweise folgenden Stromverbrauch:
| Verbraucher | Jahresverbrauch |
|---|---|
| Haushaltsstrom (4-Personen-Haushalt) | 3.500–4.500 kWh |
| Wärmepumpe Heizung (150 m², Altbau) | 4.000–6.000 kWh |
| Warmwasser-Bereitung | 1.000–1.500 kWh |
| E-Auto (optional, 15.000 km/Jahr) | 2.500–3.000 kWh |
| Gesamtverbrauch | 8.500–15.000 kWh |
Unsere Empfehlung für München:
8–12 kWp PV-Leistung für ein Einfamilienhaus mit Wärmepumpe. In München liegt der spezifische Ertrag bei ca. 1.000–1.100 kWh pro kWp und Jahr. Eine 10-kWp-Anlage produziert also rund 10.000 kWh pro Jahr. Dafür benötigen Sie ca. 50–60 m² Dachfläche (Süd-, Ost- oder Westausrichtung).
Eigenverbrauch: Was ist realistisch?
Der Eigenverbrauch ist der Anteil des PV-Stroms, den Sie direkt selbst nutzen (statt ins Netz einzuspeisen). Je höher der Eigenverbrauch, desto wirtschaftlicher die Anlage.
| Konfiguration | Eigenverbrauchsanteil | Autarkiegrad |
|---|---|---|
| Nur PV (ohne WP) | 25–35 % | 30–40 % |
| PV + Wärmepumpe | 40–55 % | 25–35 % |
| PV + Wärmepumpe + Batterie | 60–75 % | 35–50 % |
Wichtig zu verstehen: Der Eigenverbrauchsanteil gibt an, wie viel des PV-Stroms im Haus verbraucht wird. Der Autarkiegrad gibt an, wie viel des Gesamtstrombedarfs durch PV gedeckt wird. Bei einer Wärmepumpe steigt der Eigenverbrauch (mehr Strom wird intern genutzt), aber der Autarkiegrad sinkt (weil der Gesamtbedarf steigt, vor allem im Winter).
Batteriespeicher: Ja oder nein?
Ein Batteriespeicher puffert den PV-Überschuss vom Tag und stellt ihn abends und nachts zur Verfügung. Für die Wärmepumpe bedeutet das: Der Solarstrom, der tagsüber nicht direkt genutzt wird, kann in den Abend- und Nachtstunden die Wärmepumpe mitversorgen.
| Kriterium | Ohne Speicher | Mit Speicher (10 kWh) |
|---|---|---|
| Investition PV + WP | 45.000–55.000 € | 55.000–70.000 € |
| Jährliche Stromkosten | 1.200–1.800 € | 800–1.200 € |
| Eigenverbrauchsanteil | 40–55 % | 60–75 % |
| Amortisation Speicher | — | 8–12 Jahre |
Unsere Einschätzung: Ein Batteriespeicher lohnt sich wirtschaftlich erst bei hohem Stromverbrauch und steigenden Strompreisen. Aus Komfort- und Unabhängigkeitsgründen entscheiden sich trotzdem viele Eigentümer dafür. Wichtig: Der Speicher sollte zur PV-Anlage passen — als Faustregel gilt 1 kWh Speicher pro 1 kWp PV-Leistung.
Tipp: Die Wärmepumpe selbst ist auch ein Speicher. Wenn Sie den Pufferspeicher der Wärmepumpe groß genug dimensionieren (300–500 Liter), kann die Wärmepumpe tagsüber mit PV-Strom das Wasser aufheizen und die Wärme abends abgeben. Das ist deutlich günstiger als ein Batteriespeicher.
Wirtschaftlichkeitsrechnung: Konkretes Beispiel
Ausgangslage: Einfamilienhaus in München, 150 m² Wohnfläche, 4-Personen-Haushalt, alte Gasheizung wird durch Wärmepumpe ersetzt, PV-Anlage auf Süddach.
Investition:
PV-Anlage 10 kWp: 14.000 € (netto, seit 2023 MwSt.-frei)
Wärmepumpe inkl. Installation: 32.000 €
Batteriespeicher 10 kWh: 8.000 € (optional)
KfW-Förderung Wärmepumpe (50 %): -15.000 €
Eigenanteil ohne Speicher: 31.000 €
Eigenanteil mit Speicher: 39.000 €
Jährliche Ersparnis vs. alte Gasheizung:
Alte Gaskosten: 2.800 €/Jahr
Neue Stromkosten (ohne Speicher): 1.400 €/Jahr
Einspeisevergütung: 400 €/Jahr
Jährliche Ersparnis: ca. 1.800 €/Jahr
Amortisation: ca. 17 Jahre ohne Speicher, ca. 20 Jahre mit Speicher — bei steigenden Gas- und Strompreisen deutlich schneller.
Förderung für PV und Wärmepumpe
- Wärmepumpe: KfW 458 mit bis zu 70 % Zuschuss (30 % Grund + 20 % Klima + 30 % Einkommen). Details in unserem Förderratgeber.
- PV-Anlage: Einspeisevergütung nach EEG (8,03 ct/kWh für Anlagen bis 10 kWp, Stand 2025). MwSt.-Befreiung auf Kauf und Installation seit 2023. KfW-Kredit 270 mit günstigen Konditionen.
- Batteriespeicher: In München über das FKG (Förderprogramm Klimaneutrales Gebäude) förderfähig. Auch einige bayerische Kommunen bieten eigene Speicherförderungen an.
- Steuerliche Vorteile: PV-Anlagen bis 30 kWp sind seit 2023 von der Einkommensteuer befreit (§ 3 Nr. 72 EStG).
5 Tipps zur Optimierung der Kombination
- SG-Ready-Wärmepumpe wählen: Wärmepumpen mit SG-Ready-Schnittstelle können den PV-Überschuss automatisch erkennen und den Pufferspeicher aktiv aufheizen — das steigert den Eigenverbrauch deutlich.
- Pufferspeicher großzügig dimensionieren: Ein 300–500-Liter-Pufferspeicher wirkt wie ein thermischer Akku und ist deutlich günstiger als ein Batteriespeicher.
- Ost-West-Ausrichtung prüfen: Eine PV-Anlage auf Ost- und Westdach produziert morgens und abends mehr Strom als eine reine Südanlage — das passt besser zum Verbrauchsprofil.
- Energiemanagement-System nutzen: Ein intelligentes Energiemanagement steuert Wärmepumpe, Speicher und weitere Verbraucher automatisch nach PV-Verfügbarkeit.
- Warmwasser tagsüber bereiten: Stellen Sie die Warmwasser-Bereitung auf die Mittagszeit um — dann ist der PV-Überschuss am größten.
Häufige Fragen zu PV & Wärmepumpe
Wie viel Strom der Wärmepumpe kann ich mit PV decken?
Ohne Speicher 20–30 % des Wärmepumpenstroms, mit Speicher 40–60 %. Der limitierende Faktor ist der Winter: Wenn die Wärmepumpe am meisten Strom braucht, liefert die PV-Anlage am wenigsten.
Wie groß sollte die PV-Anlage sein?
Planen Sie 3–5 kWp mehr als den reinen Haushaltsbedarf. Für ein Einfamilienhaus mit Wärmepumpe empfehlen wir 8–12 kWp. Dafür benötigen Sie ca. 50–60 m² Dachfläche.
Lohnt sich ein Batteriespeicher?
Wirtschaftlich ist die Amortisation mit 8–12 Jahren relativ lang. Aus Komfort- und Unabhängigkeitsgründen kann er trotzdem sinnvoll sein. Eine Alternative ist ein großer Pufferspeicher an der Wärmepumpe.
Kann ich PV und Wärmepumpe gleichzeitig installieren?
Ja, und das ist sogar empfehlenswert. Die Elektroinstallation muss nur einmal angepasst werden, und die Systeme können von Anfang an aufeinander abgestimmt werden. Fördertechnisch werden PV und Wärmepumpe getrennt beantragt.
Brauche ich eine Genehmigung für die PV-Anlage?
In Bayern sind Aufdach-PV-Anlagen auf Wohngebäuden genehmigungsfrei. Nur bei Denkmalschutz oder Anlagen auf Freiflächen ist eine Genehmigung nötig. Die Anmeldung beim Netzbetreiber und im Marktstammdatenregister ist aber Pflicht.
Fazit: Die Traumkombination für Hauseigentümer
Photovoltaik und Wärmepumpe bilden das Fundament einer zukunftssicheren Energieversorgung für Ihr Zuhause. Die Kombination senkt Ihre Energiekosten nachhaltig, macht Sie unabhängiger von fossilen Brennstoffen und steigert den Wert Ihrer Immobilie.
Bei EWI beraten wir Sie herstellerunabhängig zur optimalen Dimensionierung und Kombination von PV und Wärmepumpe. Wir berechnen Ihren individuellen Eigenverbrauch, prüfen die verfügbaren Fördermittel und koordinieren die Umsetzung mit qualifizierten Fachbetrieben in München und Umgebung.
Weiterführende Informationen
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